Draft Horsemanship

Draft Horsemanship am Hödlgut

Eine Lebenseinstellung für die Arbeit mit Kaltblutpferden

Hätte man vor einigen Jahrzehnten einen Rossknecht nach einer Ausbildung für Arbeitspferde gefragt, hätte er wohl nur verständnislos geschaut. Für ihn war es selbstverständlich, dass die Kaltblüter im Stall die tägliche Arbeit verrichteten. Doch seit der Hochblüte der arbeitenden Pferde ist viel Zeit vergangen. Unsere Welt ist rascher und lauter geworden. Alte Ausbildungsmuster einfach unreflektiert weiterzuführen, schien mir eine Sackgasse zu sein – zumal historische Quellen dem bäuerlichen Arbeitspferd oft nur wenige Sätze widmeten. Das Wissen war zu selbstverständlich, und plötzlich war es weg.

In Österreich blicken wir auf eine jahrhundertealte Kaltblutzucht zurück. Unsere Ahnen definierten schon früh klare Zuchtziele für den Noriker: charakterstark, gutmütig, leistungsbereit und von hoher Nervenstärke. Das Fundament kräftig, mit harten Hufen für die Trittsicherheit im Gebirge und am Acker. Wir haben heute also ein Pferd, dessen Wesen sich kaum verändert hat – uns ist aber der selbstverständliche Umgang beinahe verloren gegangen. Hier stehen wir vor der Herausforderung, das alte Wissen und die aktuellen Anforderungen an Pferd und Fuhrmann in Einklang zu bringen.

„Man nehme ein Pferd an die Hand und führe es elegant aufs Ackerland.“

In diesem alten Sprichwort stecken Respekt, Vertrauen und Aufmerksamkeit. „Elegant“ bedeutet hier, etwas mit Freude und Stolz zu tun – jenen Stolz, den man fühlt, wenn man alleine mit seinen Pferden unterwegs ist und das Gefühl von Einheit spürbar wird. Ein Horseman zu sein, bedeutet nicht, ein Knotenhalfter zur Schau zu stellen. Es ist eine Lebenseinstellung, die darin liegt, ständig und mit größter Sorgfalt an der Beziehung zwischen Pferd und Mensch zu arbeiten.

Die drei Grundsäulen: Aufmerksamkeit, Vertrauen & gegenseitige Verfügbarkeit

Diese Werte werden einem geschenkt, wenn man sie selbst von Herzen gibt. Ich verwende gerne den Begriff der gegenseitigen Verfügbarkeit statt Respekt, weil das Pferd ein gleichwertiger Arbeitskollege sein soll. Ein Fuhrmann mit Horsemanship-Basis erkennt das besondere Wesen des Kaltbluts. Das Pferd bringt Rhythmus, überträgt seinen Takt auf den Boden, fordert notwendige Pausen ein und hilft uns, den Fokus auf das Wesentliche zu richten.

Ausbildung im Roundpen: Timing und Release

Am Beginn einer Beziehung zu einem neuen Pferd ist es von Vorteil, einen Rahmen auf vernünftiger Augenhöhe zu finden. Der Roundpen ist dafür mein Werkzeug. Hier starten wir noch ganz ohne Halfter und Strick, rein über die Körpersprache. Der Schlüssel zum Verstehen sind Timing und Release. Timing bedeutet, das Nachlassen des Drucks (den Release) in genau der Sekunde zu geben, in der der gewünschte Weg eingeschlagen wird. Das schönste Geschenk in dieser freien Ausbildung ist das „Hook on“ – der Moment, in dem das Pferd beschließt, frei mit dir mitzukommen.

Feinste Kommunikation im täglichen Tun

Ob beim gemeinsamen Arbeiten auf dem Feld, beim Holzrücken im Wald oder im Gespann vor dem Pflug: Es ist lebensnotwendig, dass die Kommunikation über feinste Hilfen funktioniert. Stimmhilfen und Körpersprache bilden die Basis. Unser Ziel ist es, dass die Pferde die geforderten Aufgaben gerne meistern und bis ins hohe Alter freudig ins Geschirr schlüpfen. Wir haben in dieser stillschweigenden Übereinkunft die Verpflichtung, stets nach der geringsten und freundlichsten Art zu suchen, einen Impuls zu geben.

Erlebe Draft Horsemanship in unseren Kursen

Möchtest du diesen pferdefreundlichen Weg erlernen und die Verbindung zu deinem Kaltblut vertiefen? Wir begleiten dich Schritt für Schritt dabei, eine solide Basis im Alltag zu schaffen. Wir bieten praxisnahe Kurse direkt bei uns am Hödlgut an. Alle aktuellen Termine und Details dazu findest du auf unserer Website in der Kategorie „Kurse“.